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Sonntag, 14 Oktober 2018 14:28

Auch im Winter "sauber" bleiben: Hygiene­maßnahmen in der Praxis

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Auch im Winter "sauber" bleiben: Hygiene­maßnahmen in der Praxis CC0 Creative Commons / pixabay / Pezibear

Die Physiotherapiepraxis birgt angesichts der großen Patientenanzahl, die täglich durchläuft, eine erhöhte Gefahr, Krankheitserreger zu verbreiten. Zum verantwortungsvollen Arbeiten gehört es, sich selbst und seine Mitarbeiter vor Infektionen zu schützen.

Wir kommen der Zeit näher, in der Grippewellen zum Tagesgeschehen der Praxis gehören. Nicht alle Patienten sind verantwortungsbewusst, und sagen bei Krankheit ihre Termine ab. Die Folge: Krankmachende Erreger verbreiten sich auch in den eigenen Räumlichkeiten.  

Umso wichtiger ist es, sich über nötige Hygienestandards in der Praxis Gedanken zu machen. Wie schütze ich meine Mitarbeiter und mich selber? Wie setze ich einen Hygieneplan in die Praxis um? 

 

Wozu bin ich verpflichtet?
Eine gute Nachricht: Noch sind die Regelungen für Physiotherapeuten, die eine eigene Praxis besitzen, überschaubar.

Die neuen Zulassungsempfehlungen nach § 124 Abs. 4 SGB V für Heilmittelerbringer verpflichten den Praxisinhaber zur Bereitstellung von Handdesinfektion in der Toilette, wie in den Behandlungsräumen/-bereichen.
Zusätzlich müssen die Fußböden fugenarm, leicht zu reinigen und zu desinfizieren sein. 

Weitere Vorgaben regelt das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Es gibt zwar keine detaillierten Verhaltensvorschriften, aber das Gesetz legt einen allgemeinen Rahmen fest.

Demnach muss der Arbeitgeber Gefährdungen und gesundheitliche Belastungen, die im Zusammenhang mit der Arbeit stehen, ermitteln, Schutzmaßnahmen treffen und seine Angestellten darüber unterrichten. 

Dass es sinnvoll ist, sich mehr Gedanken über weitere Hygienemaßnahmen im eigenen Betrieb zu machen, ist verständlich. Denn gesunde und produktive Mitarbeiter haben weniger Fehlzeiten und verbessern demzufolge die Wirtschaftlichkeit der Praxis.  

Händehygiene als wichtigste Maßnahme
Eine Übertragung von Infektionserregern erfolgt hauptsächlich über die Hände. Das Händewaschen stellt also einen wichtigen Bestandteil der Händehygiene dar. 

pfiel

Auf Stückseife, Nagelbürsten oder Gemeinschaftshandtücher sollte aus Gründen der Weiterverbreitung von Krankheitserregern verzichtet werden.

Zu häufiges Händewaschen oder regelmäßiger Kontakt zu chemischen Substanzen wie Reinigungs- und Desinfektionsmittel können die Hände aber auf Dauer angegreifen.

Erste Warnsignale für Hauterkrankungen wie Ekzeme und Allergien stellen eine trockene, rissige Haut sowie Juckreiz an den Händen dar, die in dieser Berufsgruppe besonders häufig vorkommen.

Damit es gar nicht so weit kommt, solltest Du folgende Tipps in die Praxis umsetzen:

  • Gönne der Haut zwischendurch eine Pause: Sorge dafür, dass sie nicht länger als zwei Stunden mit Feuchtigkeit oder Wasser in Berührung kommt. Gestalte die Therapie möglichst abwechslungsreich und lege den Fokus auf einen "Hands-off" Ansatz. 
  • Zwischendurch bitte Schutz- und Pflegecremes benutzen: Nur eine intakte Haut bringt auch ausreichend Schutz vor eindringenden Keimen.
  • Wirf ein Blick auf Produkte wie Handschuhe oder Reinigungs-/Desinfektionsmittel: Einige Menschen reagieren auf bestimmte Inhaltsstoffe, ohne es zu wissen.

"Lieber desinfizieren, als waschen" 
Die Händedesinfektion schädigt die Hautbarriere weniger als Wasser und Seife. Deine Hände solltest Du wirklich nur dann waschen, wenn sie schmutzig sind. 

Die Standard-Einreibemethode für die hygienische Händedesinfektion gem. EN 1500 zeigt Dir, wie Du richtig desinfizierst. 

Einreibemethode

Quelle: https://www.schuelke.com/de-de/; eingesehen am 14.10.18

Das Tragen von Einmalhandschuhen ersetzt übrigens keine hygienische Händedesinfektion!

Worauf Physiotherapeuten sonst noch achten sollten: 

  1. Schmuck vermeiden: Während der Behandlung sollten Uhren, Ringe, Ketten oder ähnliches an Armen & Händen abgelegt werden. Ebenso haben künstliche Fingernägel sowie Nagellack ein höheres Keimspektrum.
  2. Schutzimpfung: Vor allem, wenn Mitarbeiter auch im Krankenhaus tätig werden, empfiehlt sich eine Schutzimpfung gegen Hepatitis B.
  3. Elektrotherapie: Nach jeder Behandlung müssen die verwendeten Schwämme gründlich gereinigt werden.
  4. Übungsgeräte: In regelmäßigen Abständen sollten auch Übungsgeräte wie (Gymnastik-) Bälle oder andere Übungsutensilien desinfiziert werden.
  5. Fango: Aus hygienischer Sicht sind Einmalpackungen vorzuziehen – ansonsten bitte bei mehrfacher Verwendung die Herstellerangaben beachten.
  6. Flächendesinfektion: Überall dort, wo mit Kontamination zu rechnen ist, muss eine präventive Flächendesinfektion durchgeführt werden. Das betrifft Arbeitsflächen, Behandlungsliegen, Waschbecken einschließlich Konsole oder Fitnessgeräte.
  7. Zur Reinigung:
    - die Reinigungsfrequenz richtet sich nach der Besucherfrequenz
    - häufig berührte Oberflächen, wie Türgriffe, Tische, Lichtschalter oder Schalter für Gerätschaften, Telefone, etc., müssen besonders gründlich gereinigt und desinfiziert werden 
    - bei Reinigung und Desinfektion sollten Schutzhandschuhe getragen werden
    - Mülleimer und Abfallbehälter sollten täglich gereinigt werden
    - Sanitärräume sollten mindestens einmal täglich gereinigt und desinfiziert werden

Reinigungs- und Desinfektionsplan erstellen
Es empfiehlt sich, die eigenen Mitarbeiter mit in die Verpflichtung zu nehmen und gemeinsam einen Reinigungs- bzw. Desinfektionsplan zu erstellen, um die Umsetzung zu erleichtern. 

Wie ein solcher Plan aussehen könnte, siehst Du hier:

Reinigungsplan für Praxis

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp: Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege stellt einen Hautschutz- und Händehygieneplan für Physiotherapeuten zur kostenlosen Verfügung. Über den folgenden Link kannst Du Dir den Plan herunterladen und in Deiner Praxis aufhängen.

 

 

Weitere Informationen

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Jasmin Clegg

Jasmin Clegg hat ihre Ausbildung als Physiotherapeutin 2009 an der Hogeschool Zuyd in Heerlen (NL) beendet.

Aus beruflichem und privatem Interesse hat sie zwischenzeitlich für zweieinhalb Jahre in Südafrika gelebt. Heute ist sie wieder in Deutschland und arbeitet in einer Physiotherapie-Praxis im Kölner Norden.

Nebenbei doziert sie an der Hochschule Fresenius und arbeitet freiberuflich als Journalistin. Seit 2017 schaukelt sie den mobiLEOS Physio-Blog und hat daher immer viel zu tun.

Kontakt: clegg@mobileos.de

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