Freitag, 28 Oktober 2016 13:24

"Bei den Heilmitteln könnten die Kosten noch mehr aus dem Ruder laufen"

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"Bei den Heilmitteln könnten die Kosten noch mehr aus dem Ruder laufen" Lopolo / shutterstock

... so die Worte des Vorstandsvorsitzenden Dr. Christoph Straub vor dem Hintergrund des aktuellen BARMER GEK Heil- und Hilfsmittelreports 2016. Gemeint sind damit Ausgaben, die auch durch die Blankoverordnung entstehen können.

Diese Woche veröffentlichte die BARMER GEK den Heil- und Hilfsmittelreport 2016. 

Aus dem Report geht unter anderem hervor, dass die Ausgaben für Heilmittel in den vergangenen drei Jahren um mehr als 15 Prozent auf 822 Millionen Euro angestiegen sind. 

Pro BARMER GEK Versicherten sollen die Kosten für Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen um das Doppelte angestiegen sein. Zum Beispiel lagen die Pro-Kopf-Ausgaben für alle Heilmittel 2015 in Bremen bei 65,86 Euro, aber in Berlin mit 121,85 Euro insgesamt 85 Prozent darüber. In bestimmten Regionen vermerkte die BARMER GEK einen Ausgabenunterschied von bis zu 200 Prozent!

Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK, schließt daraus, dass es offenbar unterschiedliche Herangehensweisen bei der Verordnung gebe, denn diese große Ausgabendifferenz bei Heilmitteln sei, laut ihm, nicht medizinisch und durch Vergütungsunterschiede erklärbar.
"Es wäre zu begrüßen, wenn die kassenärztlichen Vereinigungen sich darüber austauschten, wodurch der regional so unterschiedliche Einsatz von Heilmitteln zustande kommt und wie eine medizinisch sinnvolle und wirtschaftliche Verordnung bundesweit erreicht werden könnte", schrieb der Autor des Reports, Professor Daniel Grandt in einer Pressemeldung zum Heil- und Hilfsmittelreport 2016.

 

Gesamtausgaben für Heilmittel lagen im 1. Halbjahr 2016 bei drei Prozent!
Wirft man einen Blick auf die gesamten Heilmittelausgaben, so hält die GKV im ersten Halbjahr aber „lediglich“ drei Prozent Gesamtausgaben und einen Gesamtüberschuss von 598 Millionen Euro fest (Ersatzkassen: 316 Millionen Euro, die AOKen: 125 Millionen Euro, die BKKen: 40 Millionen Euro).

Die Nettoverwaltungskosten liegen im Vergleich bei vier Prozent und die "sonstigen Ausgaben“ bei drei Prozent!

 

„Modellvorhaben könnten den ohnehin drohenden Ausgabenanstieg noch weiter beschleunigen“
... findet der BARMER GEK Vorstandsvorsitzende Straub. 

Bevor steht ein Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz, das unter anderem vorsieht, in Modellregionen die Blankoverordnung einzuführen. Damit kann der Therapeut selber entscheiden, mit welchen Heilmitteln er seine Patienten wie lange und oft behandeln will. 

Dazu äußerte sich Straub folgendermaßen: "Wenn der Therapeut die Leistung und damit die Höhe selber festlegen kann, bedarf es keiner Glaskugel, um eine weitere Ausgabenentwicklung in diesem Bereich vorherzusagen. Über Blanko-Rezepte werden die Patienten aber nicht automatisch qualitativ besser versorgt. Das gilt zumindest, solange es offensichtlich sehr unterschiedliche, regionale Kriterien zum Heilmittel-Einsatz gibt"

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Jasmin Clegg

Jasmin Clegg hat ihre Ausbildung als Physiotherapeutin 2009 an der Hogeschool Zuyd in Heerlen (NL) beendet.

Aus beruflichem und privatem Interesse hat sie zwischenzeitlich für zweieinhalb Jahre in Südafrika gelebt. Heute ist sie wieder in Deutschland und arbeitet in einer Physiotherapie-Praxis im Kölner Norden.

Nebenbei doziert sie an der Hochschule Fresenius und arbeitet freiberuflich als Journalistin. Seit 2017 schaukelt sie den mobiLEOS Physio-Blog und hat daher immer viel zu tun.

Kontakt: clegg@mobileos.de

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