Freitag, 11 Oktober 2019 13:00

Endlich leichter: Wir stellen uns auf die neue Heilmittel-Richtlinie ein!

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Physiotherapeutin und Produktmanagerin Maike Stiska Physiotherapeutin und Produktmanagerin Maike Stiska

Am 19. September 2019 beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die neue Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL). Physiotherapeutin und mobiLEOS Physio Produktmanagerin Maike Stiska schätzt die Veränderungen positiv ein.

 

Maike, wie stehst Du als Physiotherapeutin der neuen Heilmittel-Richtlinie gegenüber?
Grundsätzlich positiv!
Die neue Heilmittelrichtlinie ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Viele Passagen der alten Richtlinie waren unklar und sind nun besser definiert.
Wie etwa das Behandlungsfreie Intervall. Bisher war man sich nie wirklich einig darüber, ob das letzte Verordnungsdatum oder der letzte Behandlungstag zur Berechnung zählt, da der Arzt letzteres nämlich nicht wissen kann.
Einige Punkte sind vereinfacht worden und es gibt weniger Ausnahmen. Das finde ich persönlich viel besser.
Letzten Endes können wir aber erst während des Gebrauchs darüber urteilen, ob die neue Heilmittel-Richtlinie die tägliche Arbeit der Therapeuten leichter macht, und wo ihre Schwächen sind.

Vor welche Herausforderungen werden nun die Software-Anbieter gestellt?
Die größte Herausforderung wird sein, die neue Heilmittelrichtlinie parallel zur alten Heilmittelrichtlinie aktiv zu halten. Denn die alte Richtlinie wird noch bis Oktober 2021 gelten, während die Neue dann bereits ein Jahr gilt.

Wie realistisch ist die Umsetzung der Heilmittel-Richtlinie für Euch bis Oktober 2020?
Sehr realistisch! – vor allem jetzt, wo wir wissen, was auf uns zukommt.

Wie werden wohl die Ärzte und Krankenkassen reagieren?
Auch hier denke ich positiv, sobald sie sich an die Änderungen gewöhnt haben.
Es wird seltener passieren, dass Verordnungen an den Arzt zur Korrektur zurückgehen und das allein sorgt schon für mehr Ruhe und eine positivere Einstellung.

Bei den Krankenkassen wird es eine Mischung sein, denke ich. Die Heilmittelrichtlinie lässt den Therapeuten deutlich mehr Freiheiten. Es wird also befürchtet, dass dadurch die Kosten für die Kassen ansteigen werden.
Allerdings bin ich persönlich der Meinung, dass Kostenträger einfach mehr Transparenz benötigen: Sie müssen erfahren können, wie viel oder wenig Heilmittel für Versicherte benötigt werden. Dann werden sie hoffentlich feststellen, dass Therapeuten ihre Aufgabe – auch in Bezug auf die „Blankoverordnung“ – sehr ernst nehmen, und nicht ausnutzen.

Aus der Sicht eines Software-Anbieters: Wird die neue Heilmittel-Richtlinie den Physiotherapeuten die Arbeit erleichtern und für mehr Gehalt sorgen?
Sie wird auf jeden Fall für eine Vereinfachung sorgen! Natürlich noch mehr, wenn man die richtige Software zur Prüfung nutzt. Auf diese Weise müssen Therapeuten nicht jedes Detail präsent haben und können sich auf das Wesentliche konzentrieren – den Patienten.

Ich empfehle trotzdem, sich zunächst gründlich mit der neuen Richtlinie zu befassen. Eine Software nimmt zwar Arbeit ab, aber es ist trotzdem sinnvoll, zu verstehen, was passiert.
Sobald klar ist, inwiefern sich beide Richtlinien voneinander unterscheiden, rate ich, die Unterschiede irgendwo zu vermerken und in Sichtweite bzw. mehrfach in der Praxis aufzuhängen. Dann fällt die Prüfung leichter und die Änderungen prägen sich besser ein.

Übrigens: Wer mit dem Gedanken spielt, in nächster Zeit eine neue Software zu erwerben, sollte DRINGEND darauf achten, dass sie beide Richtlinien beinhaltet, da beide noch bis 2021 parallel laufen werden.

Ob sie für mehr Gehalt sorgen wird? Das wird sicher abhängig davon sein, wie häufig von der „Blankoverordnung“ Nutzen gemacht wird.
Wenn mit weniger, aber dafür gezieltem Heilmitteleinsatz, bessere Ergebnisse über die Physiotherapie erzielt werden kann, kommt das auch bei den Kostenträgern und Ärzten an. So erhalten Physiotherapeuten auf dieser Ebene mehr Kompetenz, und das führt dann hoffentlich zu einer Erhöhung der Anerkennung und folglich mehr Gehalt.

Wir sind gespannt! Vielen Dank für Deine Einschätzung. 

Weitere Informationen

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Jasmin Clegg

Jasmin Clegg hat ihre Ausbildung als Physiotherapeutin 2009 an der Hogeschool Zuyd in Heerlen (NL) beendet.

Aus beruflichem und privatem Interesse hat sie zwischenzeitlich für zweieinhalb Jahre in Südafrika gelebt. Heute ist sie wieder in Deutschland und arbeitet in einer Physiotherapie-Praxis im Kölner Norden.

Nebenbei doziert sie an der Hochschule Fresenius und arbeitet freiberuflich als Journalistin. Seit 2017 schaukelt sie den mobiLEOS Physio-Blog und hat daher immer viel zu tun.

Kontakt: clegg@mobileos.de

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