Mittwoch, 10 November 2021 07:56

Die Zukunft gemeinsam gestalten – mit einer Software von und für Physiotherapeuten

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Seit dem 15. März 2021 lief ein Gemeinschaftsprojekt der HMM Deutschland GmbH und des IFK e. V. Dabei erprobten Physiotherapeuten die Software DigiPro Physio, um Arbeitsprozesse in der Praxis zu digitalisieren. Drei teilnehmende Praxen haben mir von ihren ersten Erfahrungen erzählt.

Zu Beginn eines Projektes ist alles offen. Man lernt sich kennen, stellt sich aufeinander ein. Prüft, ob die Gegebenheiten stimmen, und dann kommt die Phase, in der die Ideen umgesetzt werden und das Produkt erprobt wird.
Seit März wurde in rund 20 IFK-Mitgliedspraxen die Software DigiPro Physio getestet. Sie regelt alles von Verwaltung, Organisation und Planung bis zur Abrechnung – papierlos und digital.

Für mich besteht der spannendste Teil eines solchen Projektes immer darin, die Teilnehmer kennenzulernen und mit ihnen über ihre Motivationen und Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Produkt zu sprechen.
So habe ich mich (virtuell) mit vier netten, motivierten und zukunftsdenkenden Menschen und Kollegen getroffen und fasse nun ihre ersten Eindrücke zusammen.

Mit welchen digitalen Voraussetzungen sind die teilnehmenden Praxen in das Projekt gestartet?
Es hat sich herausgestellt, dass alle drei Praxen bereits mit einer Verwaltungssoftware arbeiten und die Terminierung, Planung und Zeiterfassung, beziehungsweise die Patientenverwaltung schon papierlos per Computer bewältigen.
Die Praxisräume sind mit Laptops ausgestattet; manche Therapeuten benutzen Tablets. Einige bedienen Smartphone-Apps bei Hausbesuchen.
So wie die Zeit es zulässt, tasten sich die Praxen an neue Funktionen der Software heran um das volle, digitale Potential auszunutzen.

Carina mit Bild2Carina Tenspolde

„Ich stehe überhaupt nicht auf Papierkram und habe auch noch nie mit Papier gearbeitet.“
Carina Tenspolde vom Zentrum für Dry Needling fühlt sich durch ihre Erfahrungen mit der Digitalisierung aus der niederländischen Praxis verwöhnt. Zur Praxiseröffnung ließ sie deswegen eine eigene Software programmieren, die in etwa das abdeckt, was sie braucht.
„Wir haben damals verschiedene Softwares ausprobiert, aber zum Zeitpunkt der Eröffnung konnten wir keine Software finden, die alle Bereiche hier in der Praxis, einschließlich dem Heilpraktiker-Bereich, abdeckt und vom Preis her passt. Zurzeit nutzen wir sie weiterhin für den Heilpraktiker-Bereich und DigiPro Physio für den KG-Bereich.

Auch die anderen beiden Praxen nutzten DigiPro Physio neben ihrer alltäglichen Software. Während aber die Teilnehmer, die vor dem Projekt ohne Software gearbeitet haben, von jetzt auf gleich einsteigen und die vollständige Verwaltung über die DigiPro Physio-Software abwickeln konnten, bedeutete die Umstellung auf das Projekt für die bereits 'digitalen Praxen' zunächst einen zusätzlichen Mehraufwand zum alltäglichen Praxisbetrieb: Zumindest übergangsweise muss die Verwaltung parallel über zwei Systeme stattfinden.
Deswegen habe ich sie gefragt, warum sie sich für das Projekt entschieden haben.
Carina: „Ich wäre glücklich, wenn in Deutschland die Softwares an die in den Niederlanden angepasst würden. Deswegen möchte ich, so wie es mir möglich ist, den Prozess mit unterstützen.“

Was erwarten die anderen Praxen vom Projekt?
Ähnlich sehen das Elke Nowak und Andrej Herter von Physiotherapie Kirchlinde. Sie möchten etwas Neues mitentwickeln.
„Wir haben die Hoffnung, dass man irgendwann hier sitzt und sagt: Weißt du noch – damals – als das Papier noch war…“ – Elke Nowak

Elke und Andrej mit FotoElke Nowak und Andrej Herter in der Online-Sprechstunde mit Udo & Sandra


Elke: „Wir kennen noch den Vergleich zu früher, ohne Computer. Ich kann mich an die Schreibmaschine und Tipp-Ex erinnern. Heute hat man ein Computerprogramm und was man damit einmal geschrieben hat, lässt sich immer wieder ausdrucken und ist in zehn Jahren noch da.
In der Digitalisierung steckt die Zukunft und man kommt nicht an ihr vorbei. Da wir nicht die Generation sind, die mit dem Computer groß geworden ist, wollen wir mit dabei sein und dafür sorgen, dass die Software ein großartiges Produkt wird. Zum Beispiel wollen wir zeigen, wo Fehler stecken, die die Entwickler eventuell nicht mitbekommen und was im Alltag funktioniert beziehungsweise was keinen Sinn macht.“

„Die Physiotherapeut*innen haben eher den Menschen im Blick, als sich um alles andere zu kümmern. Weil ihnen die Arbeit Spaß macht, und so rücken wirtschaftliche Sachen in den Hintergrund.“ – Lars Ludwig

Lars kümmert sich deswegen um alles – ausgenommen der Therapie – und sieht die Branche somit aus einem sehr unternehmerischen Blickwinkel.
„Mit DigiPro Physio möchten wir die Digitalisierung vorantreiben. Die Physiobranche hängt hinterher. Da bietet sich an, die Zukunft mitzugestalten. Ich war überrascht, dass sich so viele Teilnehmer für das Projekt gemeldet haben.
Das Geniale an solchen Projekten ist es, die Wünsche der Therapeuten miteinfließen zu lassen. Denn, umso mehr Konkurrenz auf dem Markt ist, um so belebender wird es. Da bekommen auch die großen Anbieter eine räumliche Konkurrenz und müssen auf mehr Praxiswünsche eingehen und leisten.“

Lars mit Bild2hier: Lars Ludwig; Bild von Kristina Richard

Wie ist der erste Eindruck mit DigiPro Physio?
Lars: „"Ich finde die Software selbsterklärend und sehr einfach zu handhaben. Das ist gerade für unsere weniger technisch versierte Generation in der Praxis gut. Man versteht sie leicht und sie ist übersichtlich.
Zum Beispiel ist es so, dass man Verordnungen nicht abrechnen kann, bevor sie von der Software nicht geprüft wurden. Das vermeidet Fehler und Absetzungen.“

Durch den QR-Code könnten laut Carina ihre Rezepte leicht verschickt werden, denn man müsse nicht so viel editieren, meint sie. „An DigiPro Physio gefällt mir die Dateneingabe mit dem Kartenlesegerät besonders. Auch der Barcode-Scanner gefällt mir sehr gut; den kannte ich noch nicht. Ansonsten überdeckt sich die Software teilweise noch mit anderen – aber die Möglichkeiten für die Zukunft sind eher gegeben.

„Die Pro“, so nennt Elke die Software, „konzentriert sich mehr auf das papierlose, das heißt sie digitalisiert über den QR-Code. Wenn Patienten dann, wie es angedacht ist, anstatt auf der Verordnung auf dem Tablet unterschreiben können, dann geht das Programm sogar einen Schritt weiter.“
Andrej ergänzt: „Irgendwann, wenn wir die Verordnungen digital vom Arzt bekommen und die Abrechnung komplett digital wird, dann wird DigiPro Physio eine große Hilfe sein.“

Alle drei Praxen waren mit dem Projektstart zufrieden. Es gab viele Ideen und Anregungen; aber auch einige Dinge, an denen gefeilt werden musste
— und genau dafür war das Projekt gedacht!

Carina: „Das Schönste am ganzen Projekt ist für mich die Zusammenarbeit mit Udo und Sandra, die sich immer erkundigen, ob es Fragen, Ideen oder Verbesserungswünsche gibt.
Und genau das ist das, wo ich Lust drauf habe. Ich möchte die Ideen, die ich habe, einfach mal weitergeben.“
Das Schlusswort, und gleichzeitig ihr Appell an alle Physiotherapeuten: Digitalisierung funktioniert, steigt alle ein.

Wie ging es nun weiter?
Mit dem 30. September 2021 wurde das Projekt beendet. Die Teilnehmer haben die Software DigiPro Physio nun mehrere Monate erprobt und sie gewissermaßen mit weiterentwickelt. Welche abschließenden Erfahrungen sie gemacht haben, erfahrt ihr in nur wenige Tagen hier in diesem Blog!

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Jasmin Clegg

Jasmin Clegg hat ihre Ausbildung als Physiotherapeutin 2009 an der Hogeschool Zuyd in Heerlen (NL) beendet.

Aus beruflichem und privatem Interesse hat sie zwischenzeitlich für zweieinhalb Jahre in Südafrika gelebt. Heute ist sie wieder in Deutschland und arbeitet in einer Physiotherapie-Praxis im Kölner Norden.

Nebenbei ist sie Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius und arbeitet freiberuflich als Journalistin. Seit 2017 schaukelt sie den mobiLEOS Physio-Blog und hat daher immer viel zu tun.

Kontakt: clegg@mobileos.de

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