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Donnerstag, 23 Juni 2016 16:33

Erfolgreich selbstständig! - Teil 1

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Erfolgreich selbstständig! - Teil 1 © Andrey_Popov / shutterstock

Tagtäglich berät der Diplom-Betriebswirt Gerd Pidt Physiotherapeuten rund um das Thema „Selbstständigkeit“. Einige Eindrücke aus seinem Alltag hat er humorvoll in seinem Beratungstagebuch festgehalten. 

Welche Grundgedanken sich Praxisgründer vor einer Selbstständigkeit machen sollten und welche Voraussetzungen nötig sind, verrät er in diesem Teil seiner Einträge.

 

Teil 1: Voraussetzungen und Grundgedanken zur Selbständigkeit

So, es ist mal wieder soweit.
Heute hat sich ein Paar angemeldet, das sich von der Arbeit kennt und jetzt zusammen eine Praxis gründen will.
Wie immer stelle ich die erste, (einzig) wichtige Frage gleich zu Beginn: „Warum? Warum bleibt ihr nicht angestellt?“
Es treffen mich verwunderte Blicke.
Wie immer erkläre ich, dass durch den Fachkräftemangel die Arbeitsplätze im Moment extrem sicher sind und sehr hohe Gehälter gezahlt werden. Auch wenn das manch‘ ein Gründer nicht gerne hören möchte, ist das Verhandeln des Gehalts aktuell von großem Erfolg gekrönt.
Ich erlaube mir die Bemerkung, dass meines Erachtens das aktuelle und kommende Gehaltsniveau in den Praxen ein zukünftiges Problem sein wird: Irgendwann wird der Fachkräftemangel nämlich auch wieder enden und das zu hohe Lohnniveau kann viele Praxen in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen.
Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass dieses Paar das Problem wirklich versteht oder sich dafür interessiert.
Also komme ich auf meine Frage zurück: „Warum“?
Sie überlegen…

Und ich bin geschockt! Es ist unfassbar, dass sie überlegen müssen – kein guter Start.  

Dann kommt die übliche Antwort: „Wir wollen mehr Geld verdienen, unabhängig sein und eigene Ideen umsetzen“
Erleichtert stelle ich fest, dass die K.O.-Antworten: „Ich sehe für mich keine andere Alternative mehr“, oder „Meine Eltern erwarten das von mir“, ausbleiben.

Mit der Geldmotivation und der Selbstverwirklichung kann unser Gespräch weiter gehen. Wie immer fange ich die Beratung mit einer kurzen Metapher an; nämlich, dass der Begriff „Selbständig“ sich aus „selbst“ und „ständig“ zusammensetzt und dass der Chef in der Regel (zumindest in den ersten Jahren) nicht viel verdient.
Auf ein verständnisloses Nicken des Paares erkläre ich also konkret, dass die Arbeitszeit in der Regel zu Beginn länger als 38 Stunden beträgt aber die Praxiseinnahmen ein sogar geringeres Gehalt erbringen, als das für einen Angestellten.
Die beiden schenken mir wieder ein Nicken.
„Das ist kein Problem“, meint das Pärchen.
Auch mein Hinweis darauf, dass ein ernsthafter Mehrverdienst nur mit weiteren Mitarbeitern zu erzielen ist, die es im Moment ja noch nicht gibt und die in nächster Zeit schwer zu finden sein werden, beantworten sie mit: „Ist uns klar!“

Nun gut. Das Pärchen gibt an, dass die Selbstverwirklichung ihr Hauptmotivator für die Praxisgründung ist und damit kann ich letztlich leben.
Wir sprechen über die notwendige Risikobereitschaft, die ein Gründer haben muss, und die Chance, durch sein eigenes Handeln Einfluss auf seinen Verdienst nehmen zu können. Wieder kommt der Unabhängigkeitswunsch als Hauptmotivator der beiden heraus.
Das hört sich doch langsam besser an.

Ich klopfe ihre Ausbildungen ab und es sind alle wichtigen Voraussetzungen für Wettbewerbsfähigkeit vorhanden: Lymphdrainage, KGG, MT und mehr. Mit weniger Fortbildungen hätte ich sie wieder weg geschickt.
Fürs Erste bin ich beruhigt. Jetzt können wir uns den Rahmenbedingungen und der Wettbewerbsfähigkeit zuwenden.

Aber dazu kommen wir ein anderes Mal.

 

Es folgen weitere Teile aus dem Beratungstagebuch von Gerd Pidt

Teil 2: Rahmenbedingungen und Wettbewerbsfähigkeit 
Teil 3: Kassenzulassung und/oder Privatpatienten/Selbstzahler
Teil 4: Businessplan und Bankgespräche
Teil 5: Übernehmen statt Gründen
Teil 6: Praxisübernahme und Bankgespräch
Teil 7: Checkliste für Gründer/Übernehmer

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Gerd Pidt

Gerd Pidt, Diplom- Betriebswirt und Sportpädagoge, begleitet seit über 20 Jahren Existenzgründer bei ihren ersten Schritten in die Selbständigkeit.

Aufgrund eigener Unternehmen (Fitness und Physiotherapie) ist der Autor seit 2000 nur noch für therapeutische Kunden tätig.

Bei Schupp GmbH & Co. KG ist Gerd Pidt mitverantwortlich für den Bereich MTT.

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