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Freitag, 22 Juli 2016 08:59

Erfolgreich selbstständig! - Teil 2

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Erfolgreich selbstständig! - Teil 2 © wk1003mike / shutterstock

Tagtäglich berät der Diplom-Betriebswirt Gerd Pidt Physiotherapeuten rund um das Thema „Selbstständigkeit“. Einige Eindrücke aus seinem Alltag hat er humorvoll in seinem Beratungstagebuch festgehalten. Wie Praxisgründer wettbewerbsfähig werden und welche Rahmenbedingungen vor einer Gründung erfüllt werden müssen, erfahrt ihr hier.

 

Teil 2: Rahmenbedingungen und Wettbewerbsfähigkeit

Heute kommt das Gründerpärchen zum zweiten Mal in meine Beratung. Jutta und Peter wollen zusammen eine eigene Praxis aufmachen. Wie es aussieht, verfügen sie zumindest schon mal über klare Vorstellungen darüber, welche Vor- und Nachteile ein eigenes Unternehmen hat.
Die wichtigsten Fortbildungen, die sie zur Praxisgründung benötigen, besitzen sie auch:
Manuelle Lymphdrainage, KGG und MT.
Mit weniger hätte ich sie vermutlich wieder weg geschickt.

Heute erkläre ich ihnen, welche Grundvoraussetzungen zur Gründung einer Praxis wichtig sind. Nämlich zunächst nur der Abschluss einer physiotherapeutischen Ausbildung.

Rein rechtlich gesehen darf sich quasi jeder Schul-/ Uni-Absolvent direkt nach Ausbildungsende selbstständig machen. Aber eine solche Praxis wäre natürlich nicht wettbewerbsfähig.

Das bedeutet: Für eine Behandlung erhält man von der Krankenkasse Geld. Es sei denn, man arbeitet nur mit Selbstzahlern und Privatpatienten. Das ist aber für die meisten Gründer unmöglich und die Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen daher für sie existenziell wichtig.
Zusatzausbildungen vergrößern das Angebot der Praxis. Es können dadurch viele, auch finanziell interessante, Rezepte angenommen und abgerechnet werden.
Mit weniger Angebotsbreite wäre die Praxis nicht wettbewerbsfähig und bekäme vermutlich sehr schnell finanzielle Schwierigkeiten.

Beide nicken und erklären, dass sie sich in der Vergangenheit dementsprechend gezielt fortgebildet haben.
Prima. Soweit bin ich mit dem Verlauf des Gesprächs zufrieden.
Aber auf meine Frage, ob sie wissen, dass die Höhe ihrer Bezahlung vom Bundesland, dem anzuerkennenden Rahmenvertrag und der verordneten Leistung abhängt, erhalte ich fragende Blicke.

Also in aller Kürze:
Die Berufsverbände handeln mit den Krankenkassen die sogenannten Rahmenverträge aus. Dabei sitzen aber nicht alle Berufsverbände gemeinsam am Tisch und verhandeln einen bundesweit gültigen Satz, sondern jeder Verband verhandelt in seinem Bundesland eigenständig. Manchmal verabreden sich zwar auch mehrere Verbände zu einem gemeinsamen Vorgehen, aber die Kombinationen sind bundesweit uneinheitlich.
Ich mache beiden noch mal ganz klar, wie wichtig es ist, diesen Umstand zu beachten!

Ihre Frage, ob ich einen bestimmten Berufsverband empfehlen kann, beantworte ich mit einem klaren Unentschieden: In der Summe der verhandelten Sätze gleichen sich die Verbände ungefähr aus. Ich ergänze, dass ein Therapeut oder auch Praxisgründer/Praxisinhaber nicht verpflichtet ist, einem Berufsverband beizutreten. Das ist freiwillig.
Ist er aber einem Verband beigetreten, dann gelten für ihn verbindlich dessen Verhandlungsbedingungen mit den Krankenkassen. Gehört er keinem Verband an, dann muss er einen der möglichen Rahmenverträge seines Bundeslandes akzeptieren.
Sieger des Systems sind die Krankenkassen, die von der Uneinigkeit der Verhandlungspartner profitieren.

Ich bitte die beiden dann, sich mit einem Blatt Papier und einem Stift „zu bewaffnen“ und zu notieren, wo man sich als Gründer anmelden muss:

  • ARGE IK in St. Augustin → Beantragung einer IK Nummer
  • BG für Gesundheit und Wohlfahrtspflege → Unfallversicherung
  • Das zuständige Gesundheitsamt → Hygienebedingungen
  • Die Krankenkassen → AOK für die Primärkassen, Verband der Ersatzkassen, Knappschaft und ggfls. die Deutsche Rentenversicherung

Auch die notwendigen Versicherungen sollte man nicht vergessen (ich empfehle immer die Zusammenarbeit mit einem freien Versicherungsmakler):

  • Geschäftsversicherung → gegen Einbruch, Betriebsunterbrechung etc.
  • Haftpflichtversicherung
  • Rechtsschutzversicherung
  • Krankenversicherung der Unternehmer
  • Für die Altersvorsorge muss jeder selbst sorgen
    – aber darum haben sich Jutta und Peter wohl schon vor längerer Zeit gekümmert. Gut so!

Ich entscheide mich, das Gespräch zu beenden und verweise für die Details der Zulassung, insbesondere bezüglich Raumgröße und Ausstattung einer Praxis, auf die Ausführungen des VdEK oder auf Informationen im Portal „physio.de“.
Wir verabschieden uns mit der Bitte, einfach mal bei Google die „Zulassungskriterien Physiotherapiepraxis“ einzugeben und weitere Recherche zu betreiben.
Jutta und Peter vereinbaren einen nächsten Termin, um über das Thema „Kassenpatienten oder Privatpatienten/ Selbstzahler“ zu sprechen.
Ich bin gespannt!

 

Es folgen weitere Teile aus Gerd Pidt‘s Beratungstagebuch

Teil 3: Kassenzulassung und/oder Privatpatienten/Selbstzahler
Teil 4: Businessplan und Bankgespräche
Teil 5: Übernehmen statt Gründen
Teil 6: Praxisübernahme und Bankgespräch
Teil 7: Checkliste für Gründer/Übernehmer

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Gerd Pidt

Gerd Pidt, Diplom- Betriebswirt und Sportpädagoge, begleitet seit über 20 Jahren Existenzgründer bei ihren ersten Schritten in die Selbständigkeit.

Aufgrund eigener Unternehmen (Fitness und Physiotherapie) ist der Autor seit 2000 nur noch für therapeutische Kunden tätig.

Bei Schupp GmbH & Co. KG ist Gerd Pidt mitverantwortlich für den Bereich MTT.

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