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Freitag, 30 September 2016 08:40

Erfolgreich Selbstständig! - Teil 4

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Erfolgreich Selbstständig! - Teil 4 Phonlamai Photo / shutterstock

Tagtäglich berät der Diplom-Betriebswirt Gerd Pidt Physiotherapeuten rund um das Thema „Selbstständigkeit“. Einige Eindrücke aus seinem Alltag hat er humorvoll in seinem Beratungstagebuch festgehalten.

Welche Inhalte der Businessplan haben sollte und auf welche Unterstützung man zurückgreifen kann, erklärt der Experte in diesem Teil. 

 

Teil 4: Businessplan und Bankgespräche

Bereits bei der Begrüßung der Gründer Jutta und Peter zum vierten Termin erklärt mir Peter, dass sich beide Gedanken über die letzte Sitzung gemacht haben. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, mit den gesetzlichen Krankenkassen zusammenarbeiten zu wollen. Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes möchten sie zusätzlich mit Gerätetraining und Massagen Selbstzahler gewinnen. Die Preise wollen sie zunächst in Höhe der Beihilfesätze kalkulieren, so wie ich es ihnen beim letzten Mal erklärt hatte. Eine vollständige Abhängigkeit vom Verordnungssystem wollen sie nicht, ergänzt Jutta.

Damit sind die wichtigsten Rahmenbedingungen für die Erstellung von betriebswirtschaftlichen Unterlagen gegeben und ich starte direkt mit dem Thema „Businessplan“.

Als Erstes frage ich nach ihrem kaufmännischen Wissenshintergrund, aber keiner von beiden scheint Erfahrungen in diesem Bereich zu haben. Das hatte ich nicht anders erwartet und starte mit dem Hinweis, dass ich ihnen mit dem heutigen Thema ein paar kaufmännische Zusammenhänge näher bringen möchte. Jutta und Peter sind damit einverstanden.

"Der Businessplan, beginne ich, dient dem Investor und dem Unternehmer"

Er spiegelt in der Regel drei bis fünf Jahre der Geschäftsentwicklung wider und gibt dem Investor einen Einblick in das Unternehmen, um sein Risiko einzuschätzen. Für den Unternehmer ist er ein Führungsinstrument, denn er kann den tatsächlichen Betriebsverlauf mit dem geplanten Verlauf vergleichen und steuernd reagieren.

Das bedeutet, im Businessplan wird die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens in die Zukunft gerichtet und vorhergeplant. Beide nicken und ich fahre weiter fort.

In den Businessplan hinein gehören

  • die Vorstellung der Unternehmer und der Unternehmensidee;

  • eine Beschreibung des Marktes (Rahmenbedingungen und Wettbewerber) mit Erkenntnissen zur eigenen Positionierung und zum Hauptunterschied vom Wettbewerb;

  • die Beschreibung des Unternehmens mit Erläuterungen zu den Angeboten, Preisen, dem Personaleinsatz, den Räumen etc. Zum Beispiel muss ein außenstehender Geldgeber verstehen, wofür er sein Geld gibt;

  • das Zahlenwerk, beginnend mit einer Übersicht über die Investitionen, weitergehend mit der Berechnung der zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben und die Hochrechnung auf das Ergebnis; es folgen die Berechnungen der Anlaufverluste und die Entwicklung der Liquidität; zum Schluss werden Kapitalbedarf und dessen Finanzierung ermittelt.

Am Ende meiner Aufzählung äußert Jutta, dass sie mit der Erstellung eines solchen Plans überfordert ist und auch Peter signalisiert das Gleiche.

Auf meine Nachfrage hin meinen beide, dass sie sich den inhaltlichen Teil bis zum Zahlenwerk selbst zutrauen, aber dann Hilfe benötigen werden. Ich biete ihnen meine Unterstützung an und verweise alternativ auf einen Steuerberater. Beide Leistungen sind zwar entgeltlich, aber bei vielen Beratern ist ein staatlicher Zuschuss zu erhalten. Genauere Informationen dazu findet man hier: http://www.existenzgruender.de/DE/Service/Beratung-Adressen/Vor-der-Gruendung/inhalt.html

"Der Vorteil des Steuerberaters gegenüber dem Unternehmensberater ist seine Nähe zu den lokalen Banken. Hingegen steht der Unternehmensberater mit speziellen Branchenkenntnissen zur Seite"

Wenn eine enge oder problematische Finanzierung zu erwarten ist, wäre eine Kombination beider Beratungspartner sinnvoll, erkläre ich.

Peter möchte wissen, wie die Bank den Businessplan bewertet. Und auch Jutta weiß nicht, was sie in einem Bankgespräch sagen soll.
Auch dabei können die Berater persönlich dabei sein und den Gründer begleiten, antworte ich. Sie ersetzen aber nicht den Unternehmer, der seinen Ansatz selbst vorstellen und erläutern sollte.

"Die Bank interessiert in erster Linie, wie sicher sie ihr Kapital wieder zurück erhält"

Um das beurteilen zu können, braucht sie den Businessplan. Der Unternehmer spielt dabei eine sehr große Rolle, denn seine Persönlichkeit und seine Fähigkeit, die Planungen erfolgreich umzusetzen, entscheiden letztlich über den unternehmerischen Erfolg. Und das beurteilt die Bank selbstverständlich auch, füge ich hinzu.

Mit dem Hinweis auf die Möglichkeit, ein solches Gespräch zu simulieren und zu trainieren, schließe ich den heutigen Termin ab.

Ich gebe beiden die Aufgabe mit, sich vorzustellen, sie hätten viel Geld und zwei Gründer möchten sich von ihnen Geld leihen. Was würden sie von ihnen wissen wollen und erwarten?

Ein wenig belustigt verabschieden wir uns. Ich bin mir aber sicher, dass die Aufgabe, sich in den Geldgeber hineinzuversetzen, die beiden gut auf ein erstes, mögliches Bankgespräch vorbereitet. Aber das werden wir beim nächsten Mal sehen. 

 

Es folgen weitere Teile aus Gerd Pidt‘s Beratungstagebuch:

Teil 5: Übernehmen statt Gründen
Teil 6: Praxisübernahme und Bankgespräch
Teil 7: Checkliste für Gründer/Übernehmer

 

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Gerd Pidt

Gerd Pidt, Diplom- Betriebswirt und Sportpädagoge, begleitet seit über 20 Jahren Existenzgründer bei ihren ersten Schritten in die Selbständigkeit.

Aufgrund eigener Unternehmen (Fitness und Physiotherapie) ist der Autor seit 2000 nur noch für therapeutische Kunden tätig.

Bei Schupp GmbH & Co. KG ist Gerd Pidt mitverantwortlich für den Bereich MTT.

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