Freitag, 30 August 2019 12:25

Physiotherapie und Digitalisierung: Passt das auch zusammen?

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Physiotherapie und Digitalisierung: Passt das auch zusammen? CC0 Creative Commons / pixabay

Spätestens seit dem geplanten Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) werden sich auch Physiotherapeuten mit der Einbindung digitaler Elemente in die Praxis auseinander setzen müssen. Viele davon stehen dem Thema aber skeptisch gegenüber. Warum das so ist, wollten wir herausfinden — die Ergebnisse sprechen für sich.

"Digitalisierung muss man nicht erleiden, sondern gestalten", so Gesundheitsminister Jens Spahn. 

Irgendwie eine zutreffende Aussage, wenn man bedenkt, wie schwer sich einige Physiotherapeuten mit der Digitalisierung ihrer Praxis tun.   

Auf Messen und in Kundengesprächen begegnen wir einer Menge Therapeuten, die nach wie vor mit Papierakten, Befundkarten und Terminkalendern arbeiten — verblüffend, da es doch eigentlich schneller und effizienter geht. Oder? Dennoch kommt eine Umstellung vielen wie ein Wechsel zu einer anderen Bank vor — ein Ding der Unmöglichkeit.  

Da wir es als unsere Aufgabe sehen, Euch die Bürokratie zu erleichtern und Digitalisierung näher zu bringen, wollen wir Euch natürlich genau dort abholen, wo Ihr steht!

Aus diesem Grund wurde die Umfrage "Physiotherapie 4.0 — wie digital darf es sein?" ins Leben gerufen. Unser Ziel war es, herauszufinden, welchen Nutzen Ihr in der Digitalisierung seht, aber auch, welche Bedenken vorliegen und wie die Digitalisierung bereits in Eurer Praxis "gelebt" wird.

Unsere Umfrage lief vom 09. August bis zum 19. August 2019 und wurde hauptsächlich über unseren Facebook-Kanal verbreitet. Insgesamt haben (leider nur!) 34 Physiotherapeuten teilgenommen. Ein Ergebnis, was bereits für sich spricht — finden wir. Woran liegt's? 

Von den 34 Teilnehmern haben 19 eine eigene Praxis und 12 sind als Therapeuten angestellt. Die verbleibenden drei Physios arbeiten entweder in Rehakliniken oder vergleichbaren Einrichtungen und wurden von der Umfrage ausgeschlossen. 

Die interessantesten Ergebnisse fassen wir Euch hier zusammen. 

 

Digitalisierung in der Praxis 

Alle Therapeuten nutzen eine Software, aber wozu? 

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Die klassischen Nutzungsgebiete Eurer Software sind die Abrechnung (21%), Patientenverwaltung (22%), Terminplanung (18%) und der Therapiebericht (16%). Einige Therapeuten gebrauchen darüber hinaus zu 13% die Dokumentationsfunktion innerhalb der Software. Alle anderen Anwendungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Befundung (8%) oder Buchhaltung, BWL Analyse oder Urlaubsplanung (fällt mit 2% unter Sonstiges) werden kaum genutzt.  

Die Software wird größtenteils über einen PC (54%) bedient und nur zu 46% auf anderen Endgeräten wie dem Laptop, das Smartphone oder Tablet gebraucht.

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Auf die Frage nach dem Wunsch-Endgerät für die Software haben sich aber lediglich 27% für den PC entschieden. 32% der Teilnehmer wollen die Software auf einem Tablet nutzen, 19% nach wie vor auf dem Laptop und zumindest 22% auf ihrem Smartphone.

 

Herausforderungen der Digitalisierung

Wo drückt also der Hemmschuh? Wo liegen die größten Barrieren für die Einführung digitaler Elemente in die Praxis? 

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Die meiste Unsicherheit liegt in einem nicht-einschätzbaren Kostenaufwand (18%) und der Angst, nicht genug IT (Computer-) Kenntnisse zu besitzen (18%). Außerdem befürchten Physiotherapeuten einen erhöhten, damit verbundenen Zeitaufwand (17%) und Schwierigkeiten in der Übertragung der Altdaten in das neue System (17%).  

 

Chancen der Digitalisierung 

Die Vorteile der Digitalisierung liegen laut Umfrage-Ergebnissen im Zeitersparnis (20%) und einer vereinfachten, lückenlosen und standardisierten Dokumentation (17%). 

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Die Digitalisierung wird bereits in einigen Praxen "gelebt" und hat laut der Teilnehmer unserer Umfrage folgende Vorteile:  

Ziele der Digitalisierung

 

Was bleibt ist die Frage, warum die von der Politik angestrebten Veränderungen nur mühsam ihren Weg in die Physiotherapie finden? 

Gerne könnt Ihr uns Eure Meinung in der Kommentarfunktion mitteilen. 

 

Es grüßt Euch Euer mobiLEOS Physio-Team

 

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Jasmin Clegg

Jasmin Clegg hat ihre Ausbildung als Physiotherapeutin 2009 an der Hogeschool Zuyd in Heerlen (NL) beendet.

Aus beruflichem und privatem Interesse hat sie zwischenzeitlich für zweieinhalb Jahre in Südafrika gelebt. Heute ist sie wieder in Deutschland und arbeitet in einer Physiotherapie-Praxis im Kölner Norden.

Nebenbei doziert sie an der Hochschule Fresenius und arbeitet freiberuflich als Journalistin. Seit 2017 schaukelt sie den mobiLEOS Physio-Blog und hat daher immer viel zu tun.

Kontakt: clegg@mobileos.de

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