Montag, 13 Februar 2017 10:42

Trauriges Ergebnis für Praxisinhaber

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Trauriges Ergebnis für Praxisinhaber Portrait Images Asia by Nonwarit / shutterstock

Zu viel Arbeit, zu wenig Gewinn! Das sind die Ergebnisse der aktuellen Wirtschaftlichkeitsumfrage des IFK.

Seit über 20 Jahren ermittelt der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten e.V. (IFK) den aktuellen Stand der wirtschaftlichen Situation in Deutschlands Physiotherapiepraxen.
In einer aktuellen Umfrage ihrer Mitglieder wurden in 2016 Wirtschaftsdaten des Jahres 2014 erhoben und ausgewertet.
Hier in Kürze ein erster Überblick der Ergebnisse.

Inhaber von Kleinpraxen verdienen teilweise schlechter als angestellte Mitarbeiter
Ein akuter Versorgungsbedarf von Patienten besteht vor allem in ländlichen Regionen, so Ute Repschläger, Vorstandsvorsitzende des IFK. Tatsächlich lassen sich hier aber nur ungern selbstständige Physiotherapeuten nieder. Der Grund: Die schlechte wirtschaftliche Situation von Kleinpraxen.

Laut den Umfrageergebnissen verdienen alleinstehende Praxisinhaber monatlich nur etwa 2.140 Euro netto. Das ist teilweise weniger als der Verdienst eines angestellten Physiotherapeuten in einem Krankenhaus.

Ein Praxisinhaber mit bis zu fünf Mitarbeitern (sich selber eingerechnet) erwirtschaftet jährlich einen Bruttogewinn von ca. 58.905 Euro. Zum Vergleich: Laut Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) verdient ein leitender Physiotherapeut im Krankenhaus bis zu 52.335 Euro brutto, trägt aber kein unternehmerisches Risiko.

Umsatz geht an Mitarbeiter
Zwischen 2012 und 2014 stieg der Gesamtumsatz einer Praxis um 21,4%. Allerdings haben sich in diesem Zeitraum auch die Praxisausgaben um 24% erhöht. Der Anteil an Personalkosten stieg sogar um 27% an. Inzwischen liegen die Personalkosten bei rund 49% des Gesamtumsatzes. Man geht davon aus, dass Praxisinhaber ihre Mehreinnahmen zu einem großen Teil an ihre Mitarbeiter weitergeben. Der Mitarbeiter profitiert!

Die wöchentliche Arbeitszeit eines Praxisinhabers ist gestiegen
Viele Faktoren zwingen einen Praxisinhaber heute dazu, mehr zu arbeiten. Aktuell liegt die wöchentliche Arbeitszeit bei 45,38 Stunden pro Woche. Das sind 2,25 Stunden mehr, als seit der letzten Umfrage in 2014.
Interessanterweise ist aber die Zeit für therapeutische Arbeiten gleich geblieben. Die Behandlungsdauer am Patienten liegt im Übrigen nach wie vor im oberen Drittel: Bei einer KG-Einzeltherapie behandeln Therapeuten durchschnittlich 24,17 Minuten.

Vielmehr stieg die Arbeitszeit für Verwaltungstätigkeiten (+19%). Es zeigte sich auch, dass insgesamt 78,7% aller Praxisinhaber heute mindestens einen Mitarbeiter im Büro oder an der Rezeption beschäftigen.
Zum Vergleich: Im Jahr 2012 lag der Wert noch bei 65,2%; von 2007 bis 2014 hatte sich der Anteil sogar verdreifacht.

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Jasmin Clegg

Jasmin Clegg hat ihre Ausbildung als Physiotherapeutin 2009 an der Hogeschool Zuyd in Heerlen (NL) beendet.

Aus beruflichem und privatem Interesse hat sie zwischenzeitlich für zweieinhalb Jahre in Südafrika gelebt. Heute ist sie wieder in Deutschland und arbeitet in einer Physiotherapie-Praxis im Kölner Norden.

Nebenbei doziert sie an der Hochschule Fresenius und arbeitet freiberuflich als Journalistin. Seit 2017 schaukelt sie den mobiLEOS Physio-Blog und hat daher immer viel zu tun.

Kontakt: clegg@mobileos.de

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