Dienstag, 20 Juli 2021 08:31

Wissenswertes rund um die physiotherapeutischen Verbände

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Wissenswertes rund um die physiotherapeutischen Verbände CC0 Creative Commons / pixabay / OpenClipart-Vectors

Verbände dienen der gemeinsamen Interessensvertretung. Sie setzen sich für bestimmte Themen ein, informieren, bündeln die Kräfte einzelner zu einer starken Stimme und setzen Forderungen um. Was leisten (physiotherapeutische) Verbände noch?

Irgendwann in ihrer Berufskarriere kommen Physiotherapeuten an den Punkt, zu entscheiden, ob sie einem Verband beitreten möchten, oder nicht. Da spielt es grundsätzlich auch keine Rolle, ob man nun noch mitten in der Ausbildung steckt, junger Berufsanfänger, oder schon ein „alter Hase“ ist.
Viele möchten wissen: Was machen die Verbände eigentlich für unsere Berufsgruppe? Und welche Unterschiede gibt es wirklich? Zum besseren Verständnis findest Du hier eine grobe Zusammenfassung.

Definition: Was sind Verbände
Der Begriff „Verband“ bezeichnet allgemein gesprochen einen Zusammenschluss von Personen mit gemeinsamen Interessen zur Verfolgung gemeinsamer Ziele.
Definitionsgemäß fasst sich ein Verband noch genauer zusammen:

Politisch: Verbände sind Vereinigungen, deren Aufgabe es ist, die besonderen Interessen ihrer Mitglieder in den politischen Entscheidungsprozess einfließen zu lassen (Lobbyisten). Zu diesem Zweck sind V. sehr unterschiedlich organisiert, z.B. 1) als Massenorganisationen (z.B. Gewerkschaften), 2) als Interessen-V. (z.B. der Allgemeine Dt. Automobil Club, ADAC), 3) als Fach-V. (z.B. V. des Fleischerhandwerks), 4) als Berufs-V. (z.B. der Verband der Flugzeugführer und Flugingenieure Cockpit), 5) als Standesorganisationen (z.B. der Deutsche Beamten Bund, DBB) usw. Adressaten der verbandspolitischen Arbeit sind neben Staat und Politik auch die Öffentlichkeit und die Medien sowie die eigene Mitgliedschaft (Werbung neuer Mitglieder, Mobilisierung von Unterstützung).
(aus: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.de, http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=R15H02)

 

Geschichte
Die Geschichte der physiotherapeutischen Verbände begann etwa um die Zeit des Wiederaufbaus Deutschlands in 1948. Damals gab es noch keine zentrale Interessensvertretung, aber viele Berufsgruppen, die unter dem Namen „Krankengymnast“ praktizieren wollten. Um diesem Durcheinander ein Ende zu bereiten, gründeten elf Frauen – Krankengymnastinnen – die sogenannte Gruppe 48. Vorsitz hatte damals Irmgard Kolde.
Sie war es auch, die dann die Zentralorganisation für Krankengymnasten, den ersten Berufsverband, gründete, um die Position des Berufsstandes in Deutschland zu stärken und um das Niveau des Berufs zur Anerkennung der Ärztewelt und Erweiterung des Aufgabengebiets zu erheben.

Heute gibt es vier nennenswerte Berufsverbände, die wir im Folgenden vorstellen werden.

 

Der Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V.

Gründung:

  • 05. November 1949 als Zentralverband der krankengymnastischen Landesverbände im westdeutschen Bundesgebiet
  • 1954 Umbenennung in Zentralverband Krankengymnastik
  • trägt seit 1979 seinen heutigen Namen

Eckdaten:

  • die größte, berufsständische Physiotherapeutenvertretung in Deutschland
  • Mitgliederanzahl: rund 28.000 Mitglieder
  • besteht aus dem Bundesverband und 12 Landesverbänden
  • Landesverbände sind eigenständige Organisationen und unterstützen ihre Mitglieder vor Ort
  • Sitz des Verbandes in Köln
  • der einzige, deutsche Berufsverband, der im Weltverband der Physiotherapeuten (WCPT) Sitz und Stimme hat
  • Mitglied im Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV-Heilmittelverband)
  • Vorsitzende des Verbandes ist Andrea Rädlein, stellvertretender Vorsitzende Uwe Eisner, beides Physiotherapeuten
  • BundesSchüler- und StudierendenRat

Zielgruppe:

  • freiberufliche und angestellte Physiotherapeuten, Schüler und Studierende auf Bundesebene

Website:

https://www.physio-deutschland.de/fachkreise.html

 

Bundesverband Selbstständiger Physiotherapeuten — IFK e.V.

Gründung:

  • 1981 unter dem Namen „Interessenverband freiberuflicher Krankengymnasten“

Eckdaten:

  • zentral organisierter Bundesverband (bundesweit tätig) mit Sitz in Bochum
  • zahlreiche Regionalausschüsse
  • Mitglied im Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV-Heilmittelverband)
  • Vorsitzende: Ute Repschläger (Physiotherapeutin); stellvertretende Vorsitzenden: Brigitte Heine-Goldammer & Mark Rietz, beides auch Physiotherapeuten
  • IFK-Jugendnetzwerk

Zielgruppe:

  • Selbstständige Physiotherapeuten

Website:

https://ifk.de/verband/aktuell

 

VPT Verband Physikalische Therapie

Gründung:

  • 1948 in Hamburg

Eckdaten:

  • rund 20.000 Mitglieder
  • Sitz des Verbandes in Hamburg
  • bietet in 13 Landesgruppen juristische, organisatorische und strategische Unterstützung
  • Ansprechpartner vor Ort in VPT Bezirksstellen
  • einziger Verband, der alle physiotherapeutischen Mitglieder aufnimmt und somit fachliche Interdisziplinarität gewährleistet
  • Mitglied im Spitzenverband für Heilmittel (SHV-Heilmittelverband)
  • Bundesgeschäftsführer: Thomas Ramm, Rechtsanwalt

Zielgruppe:

  • vertritt die Interessen von Physiotherapeuten, Masseuren und medizinischen Bademeistern

Kontakt:

https://www.vpt.de/

 

VDB PHYSIOTHERAPIEVERBAND – Berufs- und Wirtschaftsverband der Selbstständigen in der Physiotherapie

Gründung:

  • 1947 Vereinigung „Verband der Badebetriebe e.V.“
  • 1950 Zusammenschluss verschiedener Länderverbände zum „Verband Deutscher Badebetriebe e.V.“
  • 1990 Beschluss über eine Satzungsänderung des Verbandsnamens in „VDB-Physiotherapieverband Berufs- und Wirtschaftsverband der Selbstständigen in der Physiotherapie“

Eckdaten:

  • rund 7000 physiotherapeutische Mitglieder und Praxen und Einrichtungen in Deutschland
  • selbstständige VDB-Landesverbände
  • Bundesvorsitzender Marcus Troidl (Physiotherapeut)

Zielgruppe:

  • selbstständige Masseure, medizinische Bademeister, Krankengymnasten und Physiotherapeuten, oder Therapeuten, die sich selbstständig machen wollen
  • Freiberufler, Geschäftsführer und fachliche Leiter

Kontakt:

https://vdb-physio.de/

 

Leistungen zusammengefasst

Leistungen ZVK IFK VPT VDB
Vertretung berufspolitischer Interessen Ja Ja Ja Ja
Betreuung vor Ort Ja Ja Ja Ja
Existenzgründung & Zulassungsberatung Ja Ja Ja Ja
Rechtsberatung Ja Ja Ja Ja
Stellenmarkt Ja Ja Ja -
Fort- und Weiterbildungsangebot Ja Ja Ja -
Fachmagazin - Ja Ja Ja
Erreichbarkeit telefonisch, per Kontaktformular oder E-Mail & Fax Mo - Frei 09.00 bis 14.00 Uhr telefonisch oder per E-Mail, Fax E-Mail per Kontaktformular E-Mail, Telefon oder Fax
Besondere Angebote für Studierende, Schüler Ja Ja Ja -

 

 

Man kann klar erkennen, dass alle vier Verbänden ihren Mitgliedern sehr ähnliche Leistungen anbieten. Allerdings setzt jeder Verband eigene Schwerpunkte.

Unterscheiden tun sie sich zunächst einmal über ihre Zielgruppe. Der IFK und der VDP sprechen die selbstständigen Physiotherapeuten an, während sich dem ZVK und dem VTP alle Therapeuten anschließen können.

Alle vier Verbände setzen sich berufspolitisch für ihre Mitglieder ein. Drei der Verbände, nämlich der ZVK, IFK und VPT sind zudem Teil des Spitzenverbands für Heilmittel, um auch interdisziplinär mit Krankenkassen und Politikern zu verhandeln. Die berufspolitischen Ziele beinhalten eine Vergütungssteigerung durch Gebühren- und Rahmenvertragsverhandlungen mit Krankenkassen (ZVK, IFK, VPT), Bürokratieabbau (VDB,   im Bereich der Schulausbildung (VDB) die Abschaffung des Schulgeldes, die Durchführung der Ausbildungsreform und Integration der Zertifikate innerhalb der Ausbildung, (ZVK, IFK) Voranschreiten der Akademisierung und die wissenschaftliche Untermauerung des Berufsstandes, (IFK) mehr Autonomie für Physiotherapeuten (Direct Access).

Im Rahmen der Existenzgründung unterstützen die Verbände IFK, VDB und ZVK bei Zulassung (VPT) durch Beratung und fachlicher Unterstützung, zum Beispiel durch Existenzgründungsseminare.

Ein großes Thema in der Physiotherapie ist die Abrechnung. Deswegen leisten die Verbände Hilfestellungen bei alltäglichen Fragen zur Heilmittel-Richtlinie, Rahmenverträge oder Problemen bei der Abrechnung, beziehungsweise bieten bereits berufsständische Abrechnungsstellen an (VPT). 

Für sämtliche Rechtsfragen stellen die Verbände Informationen oder juristische Beratungen zur Verfügung (IFK, ZVK, VPT) oder vermitteln eine kompetente Anwaltskanzlei, sollte es zu einem Rechtsstreit kommen.

Ein Teil der Verbandsarbeit steckt in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, damit die Physiotherapie auch in den Medien Gehör findet.

Zusätzliche "Bonbons" sind Jobbörsen (ZVK, IFK, VPT), vergünstigte Fortbildungsmöglichkeiten (ZVK, IFK, VPT), Online-Shops für Materialbestellungen (VPT, ZVK) oder vergünstigte Angebote für den Einkauf von Waren und Dienstleistungen (VDB) und noch ganz vieles mehr!

Alle Verbände sind sozial mindestens über Facebook vernetzt und verfügen darüber hinaus über eine, zum Teil sehr informative, und aktuelle Internetseite

 

Preise (ZVK, IFK, VPT)

Die Preise variieren von Verband zu Verband und liegen für Selbstständige zwischen 27,00 Euro und 31,00 Euro. Angestellte Physiotherapeuten zahlen beim ZVK und VPT sogar etwas weniger und Schüler sind in der Regel beitragsfrei. Alle Preise, mit Ausnahme denen vom VDB, sind über die verbandseigene Internetseite abrufbar. 

 

Hinweis: Unsere Redaktion hat keine externe Überprüfung der Informationen, die hier abgebildet werden eingeholt, sondern bedient sich den Auskünften, die am 30. Juni 2021 über die Verbandsinternetseiten vermittelt wurden. Diese Übersicht dient lediglich der Orientierung und ersetzt keinesfalls die Beratung durch ein Verbandsmitglied. 

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Jasmin Clegg

Jasmin Clegg hat ihre Ausbildung als Physiotherapeutin 2009 an der Hogeschool Zuyd in Heerlen (NL) beendet.

Aus beruflichem und privatem Interesse hat sie zwischenzeitlich für zweieinhalb Jahre in Südafrika gelebt. Heute ist sie wieder in Deutschland und arbeitet in einer Physiotherapie-Praxis im Kölner Norden.

Nebenbei ist sie Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius und arbeitet freiberuflich als Journalistin. Seit 2017 schaukelt sie den mobiLEOS Physio-Blog und hat daher immer viel zu tun.

Kontakt: clegg@mobileos.de

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