Montag, 11 November 2019 09:26

Physio PraX 2.0 - Das Wirtschaftlichkeits-Gutachten für Physiotherapeuten

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Physio PraX 2.0 - Das Wirtschaftlichkeits-Gutachten für Physiotherapeuten CC0 Creative Commons / pixabay / Kaffee

Die Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Situation von selbstständigen Physiotherapeuten trifft gegenwärtig auf viele Herausforderungen: Ein wachsender Verwaltungsaufwand für Kassenpatienten, sowie der zunehmende Fachkräftemangel und eine schlechte Vergütung stellen die Arbeit der Praxisinhaber täglich auf den Prüfstand.

Auf der anderen Seite aber tut sich politisch gegenwärtig viel: Im Oktober 2020 erwarten wir eine neue Heilmittelrichtlinie und die Gehälter werden zunehmend angehoben. All das lässt auf eine positive Entwicklung hoffen. Man ist also – vorsichtig ausgedrückt – auf einem guten Weg. Das setzt allerdings voraus, dass die prekäre Situation von Physiotherapeuten auch tatsächlich durch Zahlen belegt werden kann.


Erstes, gemeinsames Wirtschaftlichkeits-Gutachten der Verbände 
Unter dem Namen „PhysioPraX 2.0“ wurden vor diesem Hintergrund Daten zur betriebswirtschaftlichen Situation von 532 selbstständigen Physiotherapeuten aus dem Jahr 2016  erhoben. Die Ergebnisse dieser Datenerhebung wurden am 10. Juli 2019 erstmals in Nürnberg präsentiert.

Die Erhebung beinhaltet folgende Bereiche:  

  • Gruppierung in Umsatzgruppen
  • Strukturmerkmale der Praxis
  • Personalstruktur in der Praxis
  • Aufwandsposition der Praxis
  • Betriebserlöse (insgesamt und nach Verordnungsarten) der Praxis
  • Arbeitstakt nach Verordnung in der Praxis
  • Allgemeine Fragen zur Praxisorganisation
  • Verwaltungsaufwand

Die Daten sind für die Inhaber einer physiotherapeutischen Praxis bestimmt und werden zusätzlich von den Verbänden als Argumentationsgrundlage für Verhandlungen mit den Krankenkassen verwendet.

Hintergrund:
Seit Herbst 2010 arbeitet das Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) aus München an einem Projekt, mit dem Landesverband Bayern (Physio Deutschland), mit dem Ziel eine Kostenanalyse und eine betriebswirtschaftliche Auswertung von selbstständigen Physiotherapiepraxisinhabern durchzuführen.
Seit 2018/2019 haben sich diesem Vorhaben auf Bundesebene zwei große Berufsverbände angeschlossen, nämlich der Berufsverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) und der Verband Physikalische Therapie (VPT).

Dieser Wirtschaftlichkeitsumfrage wurde der Namen „PhysioPraX 2.0“ gegeben.
Da die Ergebnisse von 2008 bis 2013 nur die Situation der Mitglieder des Landesverbands Bayern (Physio Deutschland), widerspiegeln und der Erhebungsbogen in den Jahren fortlaufend angepasst wurde, ist ein direkter Vergleich mit den aktuellen Auswertungen aus 2016 demnach nicht ganz möglich.

Die wichtigsten Ergebnisse aus dem Erhebungsjahr 2016 für Euch zusammengefasst:

1. Durchschnittlicher Reinertrag je Praxisinhaber lag bei 73.596 Euro
Dieser Wert berechnete sich aus der Differenz der Betriebseinnahmen von 253.865 Euro und der Betriebsausgaben von 180.269 Euro pro Praxisinhaber.
Man merke: Vom Reinertrag müssen natürlich noch die persönliche Aufwendungen abgezogen werden!

2. Durchschnittliches Einkommen eines Praxisinhabers lag mit 2.575 Euro unter dem Netto-Einkommen eines angestellten Physiotherapeuten im stationären Bereich (2754 Euro – TvöD Entgeltgruppe 9a, Stufe 6 + Jahressonderzahlung)

3. Durchschnittlicher Bruttostundenlohn eines Vollzeitmitarbeiters: 14 Euro

4. Personalausgaben lagen bei ca. 58 Prozent, die Raumkosten machten etwa zwölf Prozent der Gesamtkosten aus

5. Durchschnittliche, wöchentliche Arbeitszeit des Praxisinhabers lag bei 45 Stunden
Dabei waren 66 Prozent der Gesamtwochenarbeitsstunden für Behandlungstätigkeiten am Patienten angefallen.

6. Durchschnittlicher, wöchentlicher Verwaltungsaufwand für GKV-Patienten lag bei 40 Stunden
Das entsprach einem Kostenfaktor von 315 Euro. (Vgl. 2015: 31 Stunden/Woche für GKV-Patienten)
11 Prozent der Praxisinhaber reagierten darauf mit einer Neueinstellung von Personal, ein Prozent reduzierte die Anzahl der Patienten und 47 Prozenten gaben an, den zusätzlichen Verwaltungsaufwand durch Mehrarbeit zu kompensieren.

7. Etwa 58 Prozent der Praxen haben Personalbedarf für 26 Wochenstunden, der nicht gedeckt werden konnte

8. Durchschnittliche KG-Taktung lag bei 23 Minuten (Vgl. 2015: 24,3 Minuten)

 

Weitere Informationen

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Jasmin Clegg

Jasmin Clegg hat ihre Ausbildung als Physiotherapeutin 2009 an der Hogeschool Zuyd in Heerlen (NL) beendet.

Aus beruflichem und privatem Interesse hat sie zwischenzeitlich für zweieinhalb Jahre in Südafrika gelebt. Heute ist sie wieder in Deutschland und arbeitet in einer Physiotherapie-Praxis im Kölner Norden.

Nebenbei doziert sie an der Hochschule Fresenius und arbeitet freiberuflich als Journalistin. Seit 2017 schaukelt sie den mobiLEOS Physio-Blog und hat daher immer viel zu tun.

Kontakt: clegg@mobileos.de

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