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Dienstag, 04 Oktober 2016 15:50

Wie viel Therapiezeit wünschen sich Therapeuten?

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Wie viel Therapiezeit wünschen sich Therapeuten? Jacob Lund / shutterstock

Zeit ist eine allgemein geschätzte Ressource. Umso wichtiger ist die Frage, wie viel Zeit am Patienten eigentlich notwendig ist, um eine „optimale“ Therapie zu gewährleisten, aber trotzdem noch wirtschaftlich zu handeln.

Ein mögliches Szenario aus der Praxis: Frau Schmitz kommt zum ersten Mal zur Physiotherapie und bringt ein Rezept über sechs Mal "Manuelle Therapie" mit.

In kleineren Praxen ohne Rezeptionskraft muss der Physiotherapeut bereits vor der ersten Behandlung das Rezept auf seine Richtigkeit kontrollieren. Denn auch ein kleiner Fehler kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Therapeut für seine erbrachte Leistung kein Geld bekommt. 

Aber mal angenommen, es liegen keine Rezeptfehler vor, würde Frau Schmitz jetzt ihren ersten Termin unterschreiben und mit dem Therapeuten das Behandlungszimmer aufsuchen. Insgesamt sind dafür bereits mindestens drei Minuten der Therapiezeit verstrichen. 

Der Therapeut bittet Frau Schmitz, ihre Probleme zu schildern und beginnt mit einer genauen Befunderhebung. Insbesondere bei komplexeren Pathologien nimmt das oft bereits die gesamte, verfügbare Therapiezeit in Anspruch. Da der Physiotherapeut am Ende der Einheit aber noch die bisherige Behandlung dokumentieren und neue Termine vergeben muss (weitere fünf Minuten), kann es schnell passieren, dass er in Zeitverzug kommt. 

Je nach Physiotherapiepraxis gibt es Unterschiede in der Behandlungszeit. In der Regel sind die Therapieeinheiten zwischen 15 und 30 Minuten lang. 

 

Wie lang ist die Regelbehandlungszeit?

Die Regelbehandlungszeit richtet sich nach der verordneten Leistung.

Gemäß Rahmenvertrag zwischen dem Verband der Ersatzkassen (vdek) und den Berufsverbänden wurden im April 2013 die folgenden Richtwerte der Regelbehandlungszeiten festgelegt:

  • Massagetherapie: Richtwert liegt bei 15 – 20 Minuten
  • Manuelle Lymphdrainage: Richtwert liegt bei 30/ 45/ 60 Minuten
  • Krankengymnastik: Richtwert liegt bei 15 – 25 Minuten
  • Manuelle Therapie: Richtwert liegt bei 15 – 25 Minuten
  • KG- ZNS (ab dem 18. Lebensjahr): Richtwert liegt bei 25 – 35 Minuten

Die Regelbehandlungszeit darf nur unter medizinischen Gründen unterschritten werden; Vor- und Nachbehandlung ist Bestandteil der Behandlung.

Wird ein zufriedenstellendes Ergebnis bereits zeitnah erreicht, ist der Therapeut nicht verpflichtet, die verordnete Menge an Leistung voll auszuschöpfen.

 

Was muss in dieser Zeit alles geleistet werden?

Die reine Therapiezeit pro verordneter Leistung ist zunächst einmal nur eine Zahl. Sie wird erst dann interessant, wenn klar ist, was in dieser Zeit alles vom Physiotherapeuten geleistet werden muss.

Laut der „Leistungsbeschreibung der Physiotherapie“ im Rahmenvertrag fallen folgende Leistungen pro Behandlung an:

  • das Aufstellen des individuellen Behandlungsplans
  • die Hilfeleistung des Therapeuten
  • die Durchführung der physiotherapeutischen Maßnahmen am Patienten
  • die Regelbehandlungszeit
  • die erforderliche Nachruhe
  • die Verlaufsdokumentation sowie ggf. die Mitteilung an den verordnenden Arzt
  • weitere Arbeiten (wie das Füllen der Wanne, Eingabe der Zusätze, Aufbereitung des Moorschlamms und Einbringung in die Wanne, etc.)

Dabei gilt: Wenn erforderlich, muss der Therapeut dem Patienten auch beim An- und Auskleiden oder bei der Lagerung, sowie beispielsweise beim Ein- und Aussteigen in die Wanne, helfen.

 

Wir wollten wissen, wie zufrieden ihr mit dieser Zeiteinteilung seid...

... denn der oben genannte Leistungskatalog ist äußerst üppig. Und bezahlt wird seitens der Krankenkasse nur die erbrachte Leistung, unabhängig davon, wie lange der Therapeut tatsächlich behandelt hat.

Rein wirtschaftlich betrachtet ist eine Behandlungszeit von 15 Minuten in unserem Fall für den Praxisinhaber deutlich gewinnbringender, als eine Behandlung von 25 Minuten. Fraglich bleibt allerdings, wie effektiv die Behandlung am Patienten dann noch sein kann, wenn in dieser Einheit alle obigen Leistungen erfüllt werden müssen.

 

Auf unserer Facebookseite haben wir eine Umfrage zum Thema "Therapiezeit am Patienten" durchgeführt.

Insgesamt nahmen 82 Physiotherapeuten teil. Und das Ergebnis ist überraschend! Wie zufrieden die Therapeuten mit ihrer Therapiezeit sind und was sie tun, wenn der Patient einmal mehr Zeit braucht, als im zur Verfügung steht, erfahrt ihr hier. 

 

Auf die Frage, wie viel Therapiezeit am Patienten für eine KG-Behandlung vorgesehen ist, wurde folgendermaßen geantwortet:

Weit über die Hälfte der Befragten haben 20 Minuten Zeit für eine KG-Behandlung!

tats Therapiezeit Grafik 

Zitate aus der Umfrage:

„20 Minuten sind inkl. Dokumentation und Vorbereitung des Patienten“

„Häufig fehlt die Zeit, um neben krankengymnastischen Übungen auch ausreichend über die Probleme/Schmerzen der Patienten zu informieren“

„Für Viele zu kurz, um eine optimale und langfristige Schmerzfreiheit zu gewährleisten“

 

Weit über die Hälfte der Befragten meinen, dass 30 Minuten oder mehr für eine KG-Behandlung nötig sind.

gew Therapiezeit Grafik

 

Interessant ist natürlich die Frage, was Therapeuten tun, wenn der Patient mehr Zeit braucht, als ihm zur Verfügung steht.

Knapp die Hälfte der Befragten kommen in Verzug und kürzen als Folge ihre Mittagspause!

Therapiezeit Grafik

 

Zitate der Befragten, die es anders regeln, nämlich:

„Arbeit im 30 Minuten Rhythmus. Da bleibt ein Puffer von 10 Minuten“

„Die Patienten buchen Therapiezeit dazu als Selbstzahlerleistung"

„Wir haben alle zwei Stunden eine Auffangzeit von 20 Minuten – anders geht ein 20 Minuten- Rhythmus meiner Meinung nach leider nicht"

„Stress!“

„Doppeltermine“

 

 

Allerdings scheinen nicht alle Therapeuten damit unzufrieden zu sein.

Die Zufriedenheit über die Therapiezeit am Patienten scheint ausgeglichen!

Zufriedenheit Patient

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Jasmin Clegg

Jasmin Clegg hat ihre Ausbildung als Physiotherapeutin 2009 an der Hogeschool Zuyd in Heerlen (NL) beendet.

Aus beruflichem und privatem Interesse hat sie zwischenzeitlich für zweieinhalb Jahre in Südafrika gelebt. Heute ist sie wieder in Deutschland und arbeitet in einer Physiotherapie-Praxis im Kölner Norden.

Nebenbei doziert sie an der Hochschule Fresenius und arbeitet freiberuflich als Journalistin. Seit 2017 schaukelt sie den mobiLEOS Physio-Blog und hat daher immer viel zu tun.

Kontakt: clegg@mobileos.de

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1 Kommentar

  • Kommentar-Link Davi M.- Dienstag, 06 Juni 2017 15:21 gepostet von Davi M.-

    Ein Freund von mir ist Physiotherapeut und hat mir einen kurzen Einblick in seine Arbeit gewährt. Die Arbeit hat mich fasziniert, daher würde ich gerne eine Physiotherapieschule besuchen. Benötigt man dafür einen speziellen Abschluss oder jegliche kompetente Fachkenntnisse?

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